DER TROUBADOUR

Es gab einmal diesen ähm ... Troubadour, jedoch ein Troubadour, der in den Krieg zog, den sein Land mit einem anderen Land führte, da es sich bedroht fühlte. War ein überraschend gutaussehender junger Mann. Wunderschöne olivbraune Haut. Rabenschwarzes Haar, die im Licht blau schimmerten. Augen, grün wie das Schilfgras des Flusses; noch dazu umrahmt mit sehr dichten Wimpern. Ein voller, stark geschwungener, sinnlicher Mund, zwischen sehr breiten und maskulinen Wangenknochen liegend. Ein sehr gutaussehender Körper, der vor Elastizität und Spannkraft und Muskeln der Jugend nur so strotzte. Und seine Familie kleidete ihn immer in die prachtvollsten Fasern und Samtgewänder. Und er galt als Dandy bei den Frauen. Diese Wesenheit hatte alles. Musste nicht für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Gekleidet in der vornehmsten Art und Weise. Nach Rosenwasser und Lavendel duftend. Die Frauen waren ihm immer auf der Spur. Und er hatte eine Menge Kameraden, die ihn liebten und verehrten.
Er zog als wagemutiger Soldat in den Krieg mit allen Segnungen der Stadt. Nichts und niemand hätte besser aussehend und majestätischer und schneidiger und, ja, auch wagemutiger sein können, als dieser Mann, der entlang einer wunderschönen Bucht auf einer staubigen Strasse, in einen strahlend rosafarbenen Sonnenuntergang hineinreitend, auf dem Weg zur Schlacht war.
Nun, während des Schlachtgetümmels lachte diese Wesenheit, währenddessen er sich zusammen mit seinem Freunden mit dem Feind auseinandersetzte, und all dies hielt er im Grunde für ein Spiel. Und so ungeheuer selbstsicher wurde er, was sein Im-Leben-Stehen betraf, dass er von seinem Pferd heruntergestossen wurde und am Boden entlangschleifte. Sein Fussgelenk verfing sich in dem, was ihr jetzt als Steigbügel benutzt, und er wurde eine ganze Weile mitgeschleift und fiel durch das Aufschlagen am Boden in Bewusstlosigkeit. Und als er daraus erwachte, lag er nahe an einer kleinen Wasserstelle und auf einer Lichtung. Und das Pferd graste. Und sein Fussgelenk befand sich noch immer in dem Steigbügel. Und er lag auf seinem Rücken und schaute zum Himmel hinauf. Und es ist schon so, dass in manchen Nächten die Ewigkeit so durch und durch schwarz sein kann, undurchdringlich tiefe Ewigkeit... und dass die Sterne von einem unheimlichen und funkelnden Licht sind. Und das einzige, was da existierte, war eine Stille. Er schaute hinauf und erkannte sein gesamtes Leben in einem Mitternachtshimmel. Es kommt ihm der Gedanke, dass er wie eines dieser Lichter ist.
Wiederum fiel er in Bewusstlosigkeit. Und ein Fieber wütete wochenlang in seinem Körper. Er durchlebte alle seine inneren Vorstellungen, die er in seinem jetzigen Leben hatte. Alle seine Vorstellungen! Und er bekam ein derart rasendes Fieber, über so viele Stunden hinweg, dass sie Wache an seinem Bett hielten, denn jeder Augenblick hätte die Stunde seines Todes sein können, währenddessen seine Mutter ohne Unterlass weinte und sein Vater seinen Rosenkranz, seine Gebete aufsagte. Und da kamen auch die Priester herbei und sogar ein Kardinal stattete dieser wohlhabenden Familie einen Besuch ab. Und sie vollzogen, viele Male, die letzten religiösen Handlungen und besprengten ihn mit heiligem Wasser, nur um dann feststellen zu müssen, wie es auf seiner glühenden Stirne verdampfte.
Dann, eines Morgens ... jene Augen grün wie das Schilfgras des Flusses ... sie öffneten sich dem Klang eines Vogels, der auf dem Fenstersims sein Lied sang. Und das einzige, was er wollte, war, den Vogel näher an sich zu halten, um seinem Lied zu lauschen. Sehr geschwächt steht er von seinem Bett auf und jagt dem Vogel hinterher den ganzen Weg vom Fenstersims bis hinauf zum Turm auf dem Dach, wo dieser dann vor ihm davonflog. Und in diesem Moment erinnert er sich an jenen Mitternachtshimmel, das letzte, woran er sich noch erinnerte, dass er dalag und zu ihm hinaufschaute. Kein Mond, nur diese Sterne, diese ewigen Lichter. Und das kam ihm wieder vor Augen genau in dem Moment, als der Vogel vor ihm davonflog. Und er wollte den Vogel halten. Er wollte mit dem Vogel fliegen.
Diese Wesenheit wurde sehr gefeiert und sehr von seiner Familie geliebt. Und all die Stadtleute und all seine Freunde kamen von nah und fern und weit, um seine Genesung von jenem schauderhaften Fieber zu feiern und sich ausgelassen darüber zu freuen. Es war nur so, dass... all die Dinge. die seine Freunde taten und die er mitzumachen versuchte er konnte nicht mehr mit ihnen darüber lachen. Und all die Kleider, mit denen seine Eltern ihn einkleideten ... sie waren nicht mehr von Bedeutung, er hatte sie ja früher schon gefühlt er dachte immer nur über den Himmel nach. Und sie pflegten ihn dabei zu erwischen, wenn er über jenen Himmel nachdachte, und dann fragten sie ihn: Worüber denkst du nach? Und dann versuchte er, ihnen zu erklären, worüber er nachdachte, und sie pflegten noch ein Bier mehr vor ihn hinzuschieben, ihm einen Schlag auf den Rücken zu versetzen und zu sagen:  Du kommst schon drüber weg.
Diese Wesenheit verbrachte seine Tage damit, hinaus auf die Blumenfelder zu gehen. Und einmal geschah es, dass er alle seine Finger und Zehen in die völlig feuchte Wiese, in die Erde, hineingrub. Und er lag da mit seinen Zehen und Fingern tief in die Erde gegraben und mit seinem Gesicht auf dem Erdboden, und dort blieb er einen ganzen Nachmittag lang liegen. An einem anderen Tage entdeckte er einen Stein, der von glitzerndem Staub gesprenkelt war, und er starrte ihn den ganzen Tag lang an. Dies hier ist nicht mehr der vergnügungssüchtige Krieger, der die Stadt an jenem schicksalhaften Tage verlassen hatte.
Jetzt war es vielmehr so, dass diese Wesenheit es an jedem Tage gar nicht erwarten konnte, aus der Stadt hinauszukommen und in die Natur zu gehen. Dort gab es etwas, das real und ruhig und ohne Ansprüche an ihn war. Und er verbrachte jeden Tag seines Lebens dort, und jeden Tag verloren ihn seine Eltern ein wenig mehr. Sie verloren jenen wundervollen, kräftigen Sohn, der ihnen Söhne schenken würde. Wer würde das Geschäft weiterführen und eines Tages der Gouverneur der Provinz werden? Sie sind im Begriff ihn zu verlieren. Sie können nicht einmal mehr einen Bezug zu ihm finden ... und er lächelt, und er liebt sie, jedoch, er verlässt sie, nach und nach. Etwas hatte sich in dieser Wesenheit verändert.
Und eines Tages erkennt er, wie sehr er Gott liebt, jenen Gott nämlich, der nichts sprach dort an dem Himmel, und doch da war. Und jenen Gott, der jener Vogel war, der zu seinem Erwachen, seinem wahren Erwachen, ein Lied sang. Und der die feuchte und gute Erde war, die es ihm gestattete, dort zu liegen, und zwar ohne Samt und Goldgewänder auf seinem Körper. Und die Mohnblumen, die mit ihrer scharlachroten Farbenpracht seine Augen blendeten. Und das Brummen der Bienen und das zarte Schillern der Schmetterlingsflügel. Und der süsse und prickelnde Duft einer wundervollen Brise, die vom Fluss heraufkam, durch das Tal der Blumen wehte und seine Nase erfüllte und ihn von Freude berauscht sein liess. Er erkannte, dass dieser Gott, den er liebte ... das unsichtbare Geschenk von allem um ihn herum war.
Seine Eltern dachten, dass er völlig den Verstand verloren hätte, dass er krank sei. Sie bemühten sich, Gesellschaften für ihn zu geben, gegen die er sich jedoch nichts als wehrte. Sie schickten ihn zu, wie man es bezeichnet, Priestern, die jedoch nichts als die Köpfe schüttelten. Und eines Tages schliesslich, auf einer solchen Gesellschaft, zu der man ihn in die phantastischsten und herrlichsten und teuersten Wäschestoffe, Umhänge und Seidengewänder gekleidet hatte, da zog er sich bis auf die nackte Haut vor der ganzen Gruppe aus - vor Minister, Priestern, Familienmitgliedern, Frauen, Freunden, Gänsen, Schafen, Pferden, dem Himmel, der Erde, der Dorfgemeinschaft. Und es war nicht etwa so, dass er ein Exipositionist gewesen wäre ... ist dies der passende Ausdruck ?...  jemand, der sich zur Schau stellt ... für ihn war es das Symbol dafür, dass er nicht mehr länger hierher gehörte. Er hatte sich geändert. Und er lief mit einem Lied in seinem Herzen aus der Stadt, nackt wie ein, wie ihr es bezeichnet, Häher... die sind in Wirklichkeit gar nicht so nackt, ich würde eher sagen, nackt wie ein Wurm ... ja... in dem Wissen, dass er irgendeine Bekleidung finden würde, mit der er seinen Körper bedecken könnte, jedoch eine Bekleidung, die vom Feld stammen würde. Und es klang ein Lied im Herzen dieser Wesenheit, und ein sanftmütiger Geist war durch jenes Fieber geboren worden. Und später entdeckt er einen altehrwürdigen Platz und fängt damit an, während beissend kalter Winterregenfälle, mit Steinen etwas zusammenzubauen. Und seine Verehrung der Herrlichkeit Gottes galt dem Königreich der Erde.
Und der grandioseste Beitrag zu jenem Mitternachtshimmel, war nicht das Image,
(Image ist der von Ramtha benutzte Begriff für den in der Begrenzung lebenden Menschen, der das in ihm innewohnende Potential zu seinem eigenen Gottsein, zur Unbegrenztheit, zum verwirklichten Gottmenschen noch nicht verwirklicht hat und statt dessen im Image -  Bewusstsein lebt, im begrenzten Bewusstsein nämlich, das sich in Form des gesellschaftlichen Bewusstseins zum Ausdruck bringt, welches geprägt ist von Urteilshaltung, Angst, Überlebenskampf verschlossenem Geist usw.)
sondern die Schönheit im Innern von Mann und Frau. Und dass er, sobald das Image weggebrannt war... was in seinem Fieber stattfand, denn das Fieber brannte von ihm das Image weg, das er in diesem Leben ausgewählt hatte, damit er es vollständig (als Weisheit) besitzen (abschliessen) konnte; das Fieber brannte es weg ... sehen konnte, was er nie zuvor gesehen hatte! Er blätterte die Seite (im Buch der Evolution) weiter! Ja, er hatte sich verändert! Seine Art der Widerspiegelung hatte sich geändert. Seine Eltern konnten nicht mehr länger in ihm die Widerspiegelung jener Glorie sehen, an der es ihnen in sich selbst mangelte! Seine Freunde konnten in ihm nicht mehr länger den Kameraden sehen, an dem es ihnen in sich selbst mangelte! Die Frauen konnten nicht mehr länger in ihm das Bedürfnis nach einem liebenden Partner entdecken, an dem es ihnen in ihrem Leben mangelte! Er hatte sich verändert und sie konnten sich in ihm nicht mehr selbst widergespiegelt sehen! Sie würden erst wachsen müssen, um in ihm das zu erkennen, was schon immer auch in ihnen gewesen ist.
Und er brannte das Image weg. Und das Fieber dauerte lange. Und während des Fiebers ging er alles in seinem Leben durch, alle seine Träume, seine Wünsche, seine Sehnsüchte, seine Bedürfnisse bis hin zu dem Punkt, dass er nackt war und sie in einem reinigenden Feuer von ihm weggefallen waren. Und als er erwachte, war es der Gott, der da hervorgekommen war, der immer schon vorhanden gewesen war. Was aus jenen grünen Augen hervorschaute, war nicht mehr länger das Image, sondern das herrliche Licht, zu dem jene Wesenheit geworden war. Und wie kommt es, dass er über die Felder ging und die Vögel an seiner Seite flogen und die Tiere mit ihm gingen? Und warum würde sich wohl ein Löwe zu seinen Füssen legen? Und warum nannte er Dinge Brüder und Schwestern? Weil sie es waren! Denn der Gott wusste es besser! Der Gott (in ihm) hatte das Wissen! Er verstand! Er hatte die devote Hingabe ans Image weggebrannt. Er wusste! Reines Licht, das sich offenbar gemacht hatte! Was für eine Glorie für den Gott! Es war ein lebender Christus, der in jenem Leben erstand. Ein Tier legt sich nicht nieder neben einem Image, denn ein Image ist die Stagnation der unterwürfigen, rückläufigen Energie eines Wesens Kopulation, Schmerz, Macht, doch ein Löwe wird sich zu Füssen eines grandiosen Lichts legen und ein Einssein mit diesem Licht empfinden, denn das Licht, das er sieht, ist genau die Lebenskraft von absolut jeder Faser seines eigenen Seins.
Und die Wesenheit lebte den Rest seines Lebens, indem er die Glorie für den Gott war, der nackt aus sich selbst hervorgegangen war. Was hinter dem Image steckte, hat er unverblümt ausgelebt.
Er sang von der Glorie des Lebens und bemühte sich darum, die Menschen heranzubilden, nicht in Doktrinen, sondern hinsichtlich eines einfachen Wissens, Einfachheit. Er lebte keine Heuchelei, denn er war, was er war! Er war nicht mehr ergeben ... nur noch gegenüber Gott, gegenüber der Lebenskraft. Versteht ihr? Und man begann ihn zu hassen und zu verachten, denn er war darum bemüht, in der Dunkelheit zu strahlen und jemand anderer bewachte den Lichtschalter.
Nun diese Wesenheit hiess  Franziskus von Assisi. Dies ist eine wahre Geschichte! Eine zeitgenössische Wesenheit, einer, der eurer Generation zeitlich am nächsten lebte, hat das Image aufgelöst mit der Hingabe, jenes Licht zu finden, das sie alle (die dies taten) dann so vollständig waren... und sie veränderten sich. Veränderten sich, veränderten sich, veränderten sich, veränderten sich!
Was meint ihr, welchen Mut es brauchte, um von Gold- und Samtgewänder wegzugehen und nackt zu gehen? In der Nacktheit lag nicht die Absicht, sie zu schockieren, sondern um zu verdeutlichen, dass nichts von diesen Dingen zu mir gehört. Und den Mut zu haben, in die freie Natur hinauszugehen, ohne zu wissen, wo man in dieser Nacht schlafen würde. Doch tiefgründige Wahrheit und Erkenntnis und Evolution waren all dies wert, denn in dem Feld ist es, wo Gott und die Verbindung zum Selbst vorhanden war. Die Wesenheit änderte alles an seinem Leben, was wichtig war, um das Image wegzubrennen... um die Erleuchtung über die Einfachheit des Gottes zu erlangen, für den er voller Hingabe war.

Ramtha.


Bearbeitet, 13.2.98  Andreas Kleindienst


Alle Ramtha Texte wurden durch seine Geistige Tochter mit dem irdischen Namen
JZ. Knight von Ramtha während 10 Jahren persönlich empfangen

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