Material Gips

Gips ist ein in der Natur vorkommendes Mineral, ein wasserhaltiges Calciumsulfat, entstanden im Laufe der Erdgeschichte beim Verdunsten von Meeren. Gipsvorkommen befinden sich in verschiedenen Teilen Südwestdeutschlands, im Harz und Thüringer Raum, Italien und auch an verschiedenen Orten in Europa.
Die Gipsschichten werden im Tagebau sowie Untertagebau abgebaut. Das abgetragene Gipsgestein wird zerkleinert, gebrannt und fein gemahlen. Durch die Höhe der Brenntemperatur werden verschiedene Gipsarten erzeugt: bei 80 C entsteht der Modell- oder Formgips (Alabastergips), bei 120 bis 180 C der Stuckgips, bei 300 bis 900 C der Putzgips und bei 1000 C der Estrichgips.
Die Zeit des Abbindens nach dem Anmachen unterteilt sich analog dazu von rasch (wenige Minuten) über mittel (16 bis 20 Minuten) bis langsam (mehrere Stunden). Beim Abbinden nimmt der Gips wieder Wasser auf, das ihm vorher durch das Brennen entzogen wurde. Die sich bildenden Gipskristalle verfilzen dabei miteinander

und erhärten zu einer festen Masse.
Durch besondere Zusätze kann man die Eigenschaften des Gipses so beeinflussen, daß z. B. die Haftfähigkeit und Festigkeit gesteigert und die Verarbeitungszeiten verkürzt oder verlängert werden, was bei der Verarbeitung, vor allem in der Baubranche,
von Bedeutung ist.
Außer dem Naturgips gibt es noch einen Chemiegips, der als Abfallprodukt bei speziellen chemischen Prozessen anfällt. Für kunsthandwerkliche und künstlerische Zwecke, wie auch als Zusatz für Feinputz am Bau, verwendet man den Modell- bzw. Alabastergips, der eine rein weiße Farbe besitzt, sehr fein gemahlen, und nach dem Erhärten von fester Konsistenz ist. Er läßt sich gut bearbeiten.
Den Stuckgips, der eine grau- oder gelblichweiße Farbe hat und nicht so fein ist, verwendet man meist für Abformtechniken oder zur Herstellung von Gipsbaukörpern. Die Verarbeitungszeit zwischen dem Anmachen des Gipses und dem Beginn des Versteifens ist etwas länger als beim Modell- bzw. Alabastergips. Auch ist der Stuckgips etwas weicher und poröser und deshalb zum Bearbeiten mit Werkzeug weniger geeignet. Der Putzgips, der durch die höhere Brenntemperatur bereits teilweise Kalk besitzt, wird ausschließlich am Bau und bei Stuckarbeiten verwendet, um verschiedene Arten von Putz und Mörtel herzustellen (Gipsputz, Gipssandputz, Gipskalkputz usw.) Estrichgips wurde bis in die 60er Jahre für Estricharbeiten verwendet. Da es andere Zusammensetzungen gibt wird er nicht mehr produziert. Für die in diesem Text beschriebenen Arbeiten werden lediglich Modell- oder Alabastergips und Stuckgips benötigt. Es kann auch nur mit Modellgips gearbeitet werden, doch sind die Kosten um einiges höher als beim Stuckgips. Gips ist in Baustoffhandlungen, Baumärkten und Farbgeschäften erhältlich: Modellgips bereits in kleineren Mengen, in Tüten von 2 kg bis 5 kg, Alabaster- und Stuckgips in Säcken bis zu 40 kg.

 

 

Die Verwendungsarten von Gips
Verwendung in unterschiedlichsten Branchen Am allgemein bekanntesten ist wohl die Verwendung von Gips in der Baubranche, vor allem im Innenausbau. Früher brachten  die Stukkateure großartige Leistungen bei der Gestaltung von Decken und Wänden hervor. 
Mit Gipsmodellen arbeiten Architekten, Stadtplaner, Konstrukteure, Künstler und Designer. Zu manchen Zeiten war es Tradition, daß ein Gipsabdruck die letzten Züge eines bedeutenden Verstorbenen festhielt. Spezielle Gipssorten sind heute in der Chirurgie und Zahntechnik, in Keramik-,
Farb- und Schmuckindustrie unentbehrlich.
Rein technische Zwecke
Das Abformen eines Tonmodells erfordert das Herstellen von Gips-Negativformen, mit dem Ziel eines speziellen Gusses (Gipsguß, Tonguß, Wachsguß als Vorstufe für den Metallguß) , Er wird in der Industrie verwendet, in Keramik-, Porzellan- und Stuckfabriken, zum Erzeugen von Massenware, die in genormten Gips- formen gegossen wird. Doch findet er auch Verwendung in Werkstätten von Künstlern und Designern sowie in dafür ausgerichteten Gießereibetrieben, die von Kleinplastiken bis zu Großplastiken (Brunnen.. Statuen, Denkmäler) oder den Prototypen neuer Designentwürfe, alles in Gips abformen.
Möglichkeiten der Vervielfältigung
In Verbindung mit den in neuerer Zeit entwickelten elastischen Kautschukarten ermöglichen Gips-Negativformen die Herstellung von Repliken und Serienproduktion. Von Büsten berühmter Persönlichkeiten bis zum kitschigen Abklatsch klassischer Bildhauerwerke, wie sie einem in Italien und Griechenland zuhauf begegnen, spannt sich ein weiter Bogen.
Der Gipsguß in der Kunst
Die einfache und preisgünstige Beschaffung des Materials, die technisch meist unproblematische Umsetzung vom nicht haltbaren Tonmodell zum haltbaren Gipsmodell machte seit Jahrhunderten bis heute das Arbeiten mit Gips für den Künstler unumgänglich. Das kleine Gipsmodell als Entwurf und Anhaltspunkt eignet sich bestens zum Übertragen in größere Dimensionen, sei es zum Modellieren großer Tonarbeiten oder als Vorlage für Holz- bzw. Steinskulpturen. Der Gipsguß dient dem Künstler außerdem als Zwischenstufe auf dem Weg vom Tonentwurf zum Metallguß (Bronze, Messing, Aluminium). Der gegossene Gips besitzt eine viel härtere und feinere Konsistenz als der Ton, läßt sich sehr gut schnitzen und feilen und ist deshalb zum Erarbeiten glatter, exakter, gespannter Oberflächen bestens geeignet. Dies ist die Voraussetzung für den späteren Metallguß, wenn eine polierte, glänzende Oberfläche gewünscht wird. .
Kreative Gestaltungsmöglichkeiten
In jüngster Zeit wird der Umgang mit Gips (vor allem unter Benutzung der in Apotheken erhältlichen Gipsbinden) einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich. In Freizeit und Hobby, Schulen und Kursen widmet man sich gern der phantasievollen Gestaltung von Masken. Als bekanntes Vorbild dienen die reich verzierten venezianischen Gipsmasken.
Werke in Gips, damals und heute
Die Wirkung des Gipses mit seiner stumpfen Oberfläche, dem starren Weiß oder dem vergilbten Grau, die das Material leblos erscheinen lassen, kommt allerdings nicht an die Wirkung von Naturmaterialien wie Holz oder Stein heran. Deshalb hat Gips als Träger künstlerischen Ausdrucks bis heute keine wesentliche Rolle gespielt. Lediglich im Barock und Rokoko entstanden im Zusammenhang mit Stuckarbeiten auch bemalte Gipsfiguren, meist als Ersatz für teure Holz- bzw. Steinfiguren.
Die Künstler verwendeten Gips nur als Mittel zum Zweck. Es wurden in erster Linie Nachgüsse antiker Skulpturen gemacht, wie sie beim traditionellen Studium an jeder europäischen Kunstakademie üblich waren. Bis heute reihen sich in den Bildhauerateliers Gipsmodelle in jeglicher Form und Größe als Erinnerungsstücke bereits vollendeter Großplastiken oder als Entwürfe für kommende.
Erst die Künstler der Neuzeit erkennen vereinzelt im Material Gips und seiner Eigenart, gerade seiner ungeschönten, nackt und steril wirkenden Oberfläche wegen, eine neue,
zeitgemäße Ausdrucksmöglichkeit.

 

Material und Werkzeug
Zum Anrühren der Gipsmasse eignen sich (Rund-) Gefäße aller Art und Größe, wie Schüsseln, Eimer, Becher, Schalen, Deckel usw. Am vorteilhaftesten sind Behälter aus Plastik, da sie gut zu reinigen sind. Am besten arbeitet man aber mit einem Gipsbecher aus schwarzem Weichgummi. Er ist preiswert, sehr handlich und von harten Gipsrückständen leicht zu säubern, weil der Becher zum Lösen des erhärteten Gipses nur zusammengedrückt werden muß. Notfalls kann man auch in Joghurtbechern kleine Mengen Gips anmachen.
Zum Umrühren der Gipsmasse
benötigt man Spachteln, Gummiteiglöffel oder Holzstäbe.
Zum Bearbeiten des Gipses werden feine und grobe (Holz-) Feilen und Raspeln in verschiedenen Größen und Formen sowie Schleifpapier verschiedenster Körnung verwendet.
Zum Gipsschnitzen braucht man nicht unbedingt teure Schnitzmesser; meist tun es auch einfache Küchenmesser mit glatter Schnittfläche und Spitze.
Zum Säubern der Gipsformen: Schwamm, Bürste, alte Zahnbürsten und Borstenpinsel.
Zum Isolieren von Negativformen: flache Borstenpinsel, etwa I bis 2 cm breit.
Zum Entfernen von "Verloren- Formen" oder Gestalten von Gipsblöcken: Stecheisen verschiedener Breite, Fäustel, Hammer und Meißel.
Hier ist eine Auswahl der wichtigsten
Werkzeuge und Zubehör.
Verschiedene Feilen und Raspeln, die sich in Größe, Form und Arbeitsfläche (fein/grob) unterscheiden. Meißel, Sticheisen und Klöppel (zum Bearbeiten von Gipsblöcken) Fuchsschwanzsäge (zum Sägen von Gipsblöcken) Gipsbecher aus Gummi (zum Anrühren kleiner Gipsmengen)  Modellierhölzer und Schlingen (für Tonarbeiten)  Nudelholz (zum Auswalzen von Tonplatten)  Messer. runde und spitze; schmale und breite Spachtel (zum Schnitzen und Gipsauftragen) Borstenpinsel und Zahnbürste (für diverse Arbeiten. z. B. Auftrag der ersten. dünnen Gipsschicht; Säubern von Negativformen. Schellackauftrag; Bemalung usw.) Spachtel, Gummiteiglöffel (zum Gipsanrühren) Teigschaber zum Säubern der Schüsseln von noch weichem Gips.
Modellgips geeignet für alle Arten von hier beschriebenen Gipstechniken


Zubereiten der Gipsmasse
Die Zubereitung der Gipsmasse aus Wasser und Gipsmehl muß exakt und zügig vorangehen, da der Faktor Zeit wegen der Dauer des Abbindens eine Rolle spielt.
Zuerst wird das Gefäß bereitgestellt, in dem der Gips angemacht wird. Es wird zur Hälfte oder zwei Drittel mit kaltem Wasser gefüllt. Nie das Gefäß ganz füllen, da die Gipsmasse später mehr Volumen braucht und das Gefäß dann überlaufen würde.
Als allgemeine Regel ist zu beachten, daß der Gips stets in das Wasser eingestreut wird, nie umgekehrt! Das Einstreuen des Gipses erfolgt am besten mit der Hand, da man damit ein besseres Gefühl für das Einstreuen ohne Klumpen hat als mit dem Spachtel oder Löffel. Sie können auch einen Plastikhandschuh anziehen. Man nimmt eine Handvoll Gipsmehl und streut es locker aus dem Handgelenk über die ganze Wasserfläche. Bei kleinen Gefäßen (Bechern) nimmt man - nur mit den Fingern - entsprechend weniger Gips. Bei großen Wassermengen muß möglichst schnell eingestreut werden, da sonst der Gips bereits in den abgesunkenen Schichten abbindet, während noch eingestreut wird. Man beobachtet, wie der Gips zuerst auf der Oberfläche kleine Inseln bildet, die dann absinken. Das Wasser schluckt den Gips. Es ist erstaunlich, welche Mengen geschluckt werden, bis sich auf der Oberfläche eine Art Kruste bildet, die nicht mehr absinkt. Erst dann rührt man mit einem Spachtel langsam um. Falls sich in der Kruste kleine Klümpchen gebildet haben, zerdrückt man sie am Gefäßrand. Beim Umrühren ist darauf zu achten, daß man keine Luft einrührt. Durch leichtes Rütteln des Gefäßes können die eingeschlossenen Luftbläschen an die Oberfläche aufsteigen, wo man sie ausdrücken kann. Die Konsistenz der angemachten Gipsmasse ist zuerst dickflüssig wie Rahm. In diesem Zeitraum eignet er sich gut zum Gießen.
Ein Gefäß (Gummibecher) wird mit Wasser gefüllt. Die Menge des Wassers entspricht etwa zwei Dritteln der benötigten Gipsmenge. Das Gipspulver wird locker in den Becher gestreut.
Sehr schnell, innerhalb von 5 bis 10 Minuten, wird der Gips fester. In diesem Zustand kann er gut  angetragen werden, da er nicht mehr herabfließt. Doch muß man zügig arbeiten, denn der Gips zieht schnell weiter an, und bereits nach etwa 15 Minuten wird er so fest, daß er licht mehr zu verarbeiten ist. Man sagt, der Gips beginnt abzubinden. Er darf nicht mehr gestört, z. B. mit einem Spachtel gerührt werden, da er sonst bröckelig wird. Dieser Vorgang, bei dem eine fühlbare  Erwärmung auftritt, dauert etwa eine halbe Stunde. Danach kühlt der Gips wieder ab und ist fest. Nach diesem Prozeß ist er zum weiteren Aushärten noch recht brüchig, was etwa 2 Tage (in warmer trockener Luft) oder länger dauert, bis er ganz ausgetrocknet ist. Dabei wird er heller und leichter.

 


Das Relief
Relief wird vom italienischen "rilievo" hergeleitet; es bedeutet wörtlich "erhabene Arbeit". Es ist zwar eine plastische Gestaltung, die im Unterschied zur Vollplastik aber aus einer Fläche her- ausgearbeitet ist und mit ihr verbunden bleibt. Dabei unterscheidet man drei Arten:
Das Flachrelief (französisch: Basrelief), bei dem die Erhebungen und Vertiefungen sich wenig von der Grundfläche entfernen. Die zweidimensionalen Elemente des Zeichnens haben hier noch starke Bedeutung.
Vom Halb- zum Hochrelief (französisch: Hautrelief) steigert sich die Plastizität. Die Erhebungen treten immer stärker hervor. Die Vertiefungen ergeben dunklere Schatten. Beim Hochrelief kann es sogar zu Unterschneidungen kommen, wenn die Plastizität bis zum Äußersten gesteigert wird und der nächste Schritt bereits das sich Ablösen von der Fläche wäre und somit eine Vollplastik entstünde.
Beim Relief, ganz gleich welcher Art, spielt sich die Komposition auf einer begrenzten Fläche ab, die auch mit in die Gestaltung eingebunden werden muß (Umrißform, Hinter - bzw. Zwischengrund beachten). Wenn in diesem Abschnitt vom Negativrelief gesprochen wird, so ist damit nicht das Endprodukt gemeint, sondern eine aus Ton modellierte Negativform im Reliefstil. Mit ihr soll anschließend ein Positivrelief aus Gips hergestellt werden. Da beim Modellieren gleichzeitig die Abgußform entsteht, erspart man sich einige Arbeitsschritte, die man normalerweise zur Herstellung eines Gipsreliefs benötigt. Die plastische Vorstellung ist bei diesem Arbeiten anfänglich ungewohnt, weil alles gegenteilig dargestellt wird. Dabei gilt: Alle Gegenstände, die sich nach vorn oder außen wölben, müssen in die Tiefe modelliert werden. Soll z. B. ein Apfel dargestellt werden, so wird er nicht nach außen gewölbt, sondern die Rundung wird als Vertiefung in die weiche Tonplatte eingedrückt.
Umgekehrt müssen dann alle Formen, die nach innen gewölbt sind, z. B. eine Schale, auf der Tonplatte aufmodelliert werden.  Hintergrundgestaltungen werden ebenfalls durch Wegnehmen oder Hinzufügen von Tonmasse dargestellt. Gute Effekte erreicht man mit dieser Technik auch durch das Einbeziehen aller möglichen Strukturen. Es ist interessant zu sehen, wie die verschiedenen strukturierten Formen, die in den Ton gedrückt werden, dann in Gips gegossen wirken.

Andreas Kleindienst

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