HÄNDE, DIE ERDE FORMEN:
TÖPFER UND KERAMIKER

Erde, Wasser und Feuer.
Drei Grundelemente, die sich widerstreben.
Sie vereinigen sich in der Kunst des Töpfers und des Keramikers.

 



Je mehr sich diese Kunst der Vollkommenheit nähert, desto schöner, glänzender und haltbarer die Einheit.
Ihr Werden möchte man ein Ritual nennen, ein Ritual, das viele Arbeitsgänge umfaßt: Kneten, Drehen, Formen, Verzieren, Brennen. Im Laufe der Jahrtausende haben die Keramiker in Ägypten, Mesopotamien, Knossos, Zypern und Attika, in China und Japan die Geschichte ihres Handwerks geprägt, indem sie durch ihre Kunstfertigkeit immer schönere Ergebnisse erzielten.

 



Zeugen davon sind Vasen und Tonkrüge, Wassergefäße, Amphoren, Trinkschalen, Totenurnen und Statuetten.
Gebrauchsgegenstände oder Luxusartikel, welche die Zivilisationen überlebten, für die sie geschaffen wurden.

 



Keramik - Herkunft und Bedeutung des Wortes
Zuerst sollte man wissen, daß die Kunst der Keramik alle Gegenstände aus gebranntem Ton umfaßt, vom Backstein bis zu den durchsichtigsten Porzellanwaren, obgleich dieses Wort zuerst nur Tonvasen meinte.



Keramik kommt von keramos, was in der griechischen Sprache Töpfererde, Ziegel und Tongefäße bezeichnete.
Ursprünglich waren damit die ausgehöhlten Tierhörner gemeint,
aus denen man trank.

 



Die Töpferei ist nur ein Teil der Keramik,
obschon ihre Wurzeln zurückreichen
bis in die Zeit der Anfänge der Menschheit.

 



Seit dem Neolithikum
Die Ton- und Keramikscherben, die aus dem Neolithikum Jungsteinzeit stammen, zeigen bereits große Fortschritte im Vergleich mit früheren Gefäßen, die an der Sonne getrocknet oder auf offener Feuerstelle gebrannt wurden.
Doch mußten noch fünfzehn oder zwanzig Jahrhunderte vergehen, bis der Schritt von den mit Erde oder Mist überdeckten Feuerstellen zu ersten Rundöfen gelang, dank denen nun viel höhere Temperaturen erreicht werden konnten.

 



In diesen ersten Rundöfen kamen die Tongegenstände nicht mehr in direkten Kontakt mit den Flammen, und die Temperatur konnte reguliert werden, indem man die Luftzufuhr variierte.

 



Engoben und Farben
Während dieser langen Zeit lernten die Töpfer, Engoben zu benutzen, die wesentlich sind für die Dichtigkeit
und das Aussehen der Gefäße.
Engoben werden auch heute noch gebraucht; sie bestehen aus einer dünnflüssigen Masse (Tonschlämme),
der man auch Farbstoffe beimischen kann.
Diese Masse, auf die rohen Gefäße aufgetragen, verleiht ihnen beim Brennen eine gleichmäßige Oberfläche und Färbung.
Diese Grundtechnik wird oft durch mehr- farbige mit dem Pinsel
des Keramikers aufgetragene Malereien ergänzt.

 



Die Erfindung der Drehscheibe 
Das fundamentalste Werkzeug ist die Drehscheibe.
Die Archäologen sind sich nicht einig über den Zeitpunkt, in dem die Drehscheibe die vollständige Handarbeit verdrängte.
Zweites, drittes oder viertes Jahrtausend vor Christus?
Persien oder Mesopotamien, in Palästina, Anatolien oder in Ägypten? Einen Anhaltspunkt liefern ägyptische Darstellungen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus,
welche Töpfer zeigen, die an der Drehscheibe arbeiten.
Auch die regelmäßigen Formen der Gegenstände aus dieser Zeit deuten darauf hin, daß mechanische Hilfsmittel eingesetzt wurden.

 



Wir wissen, daß die Töpfer und Keramiker aus dem Nahen Osten schon zu dieser Zeit ein erhebliches handwerkliches Niveau erreicht hatten, das sie später durch die Entdeckung der Geheimnisse der Kupferglasur noch einmal verbesserten.

 



EINIGES ÜBER TÖPFERMATERIALIEN
Hauptrohstoff ist Ton, der sich auszeichnet durch seine Bildsamkeit in feuchtem Zustand, durch Formbeständigkeit nach dem Trocknen und durch Verfestigung
zu einem relativ schlagfesten Scherben nach dem Brand.
Zur Herstellung keramischer Erzeugnisse wird der Ton mit Magerungsmitteln und Flußmitteln sowie mit Wasser "angemacht".

 



Die Magerungsmittel werden dem Ton beigemischt, um dessen Plastizität herabzusetzen,
was ein besseres Drehen und Modellieren ermöglicht.
Zugleich wird das Schwinden der Masse vermindert.
Flußmittel, zum Beispiel Feldspat, Kalkspat, Mergel oder Knochenasche, ermöglichen einen Schmelzprozeß keramischer Massen bei wesentlich tieferen Temperaturen,
als dies ohne solche Zusätze möglich wäre.
Die meisten Tonwaren sind mit Glasuren oder Engoben überzogen, welche die Dichtigkeit und die Schönheit der Gegenstände erhöhen. Wichtige Grundelemente sind Siliziumdioxyd und Alkalisalze.
Zu den Dekorationsmaterialien gehören unter anderem Metallverbindungen, die bei der Zusammenstellung von Glasuren und Farben Verwendung finden.

 



Der Beitrag der Griechen
Ebenfalls in vorchristlicher Zeit haben auch !
Die Griechen ihren Beitrag zur Keramik geliefert, indem sie klare geometrische Figuren zwischen horizontalen Bändern
als Muster auf den Vasen anbrachten.
Diese kontrast- reiche Dekoration stimmt bestens mit dem eisenhaltigen Ton überein, der nach dem Brennen rot wird.

 



Chinesische Keramik
Im Fernen Osten wandten sich die chinesischen Keramiker nach der Entdeckung der Farbglasuren der Erforschung
der schmelzbaren Tonmaterialien zu.
Diese Entwicklung hatte schon im letzten Jahrtausend vor Christus begonnen und erreichte ihren Höhepunkt bereits während der Hanzeit, in der das berühmte Steingut bei hohen Temperaturen gebrannt wurde.

 



SCHMELZPRODUKTE

Gewisse Schmelzstoffe haben einen großen Einfluß auf die Zusammensetzung der Glasuren.
Beispielsweise enthalten Kaliumoxyd und Natron gewisse Salze,
die sich bei hohen Temperaturen zersetzen, wenn sie mit Kieselsäure in Kontakt kommen.
Ebenso verhalten sich die Karbonate, Sulfate, die Nitrate
und die Chlorverbindungen mit Kalium und Natrium.



Die Töpfer der Antike haben gelernt, aus Feldspat, Glimmer und anderen Gesteinsarten zu schöpfen,
die eine bedeutende Menge Alkali enthalten.
Man mischte solche Schmelzstoffe der Masse bei.
Einige davon würden sich durch den Einfluß
der Luftfeuchtigkeit zersetzen.
Man mischte sie dem Bleioxyd, dem Kalziumoxyd oder der Schwererde bei, und sie wurden erstklassige Elemente für die Herstellung alkalischen Emails.
Solche Alkalien haben die Fähigkeit, die Metalloxyde zu schmelzen und den Glasuren eine unübertreffliche Durchsichtigkeit
zu verleihen.



Beim Überschreiten der Schwelle von der Zeit des Alten in die des Neuen Testamentes nahm dieses Handwerk, dank der Vollkommenheit der Formen und Dekorationen,
seinen Eingang in die Kunst.

 



Die Begegnung zwischen den chinesischen und den nahöstlichen Techniken wird Jahrhunderte später einen auf dem Wege der Ästhetik entscheidenden neuen Zeitabschnitt kennzeichnen.
Diese Begegnung fand statt dank den Konflikten zwischen den Abbasiden und der Dynastie der Omaijaden, die in Damaskus bis ins 8.Jahrhundert nach Christus herrschten.
Diese Omaijaden finden wir später in Cordoba, ihrer letzten Kalifenstadt, nachdem sie von den Abbasiden
im Nahen Osten verdrängt wurden.
Im gleichen Zug besiegten die Abbasiden gleich noch die Chinesen, die vom langen Krieg der Söhne Allahs profitiert hatten, um in die östlichen arabischen Provinzen einzudringen.



Unter den Tausenden von chinesischen Gefangenen, die nun mitten in Arabien leben mußten, befanden sich Töpfer, die den Mesopotamiern ihre Kunst beibrachten und damit auch die Verwendung der oxydierenden Kupfer und Silbersalze
sowie die Technik des Zweifachbrandes.
Zur gleichen Zeit lernten die Mesopotamierebenfalls, ihren durchsichtigen Glasuren Bleierz beizufügen.

 



Keramik in Europa

Diese Techniken werden über Spanien in alle Gebiete Europas gebracht, in denen der Islam herrscht.
Im Norden Europas bleiben die Töpfer dem Steingut treu, das außer Ton und Sand viel Silizium enthält
und bis zur Verglasung hochgebrannt wird.
Die mittels Salzglasurbränden gefärbten Gegenstände werden durch die Zufuhr von Meersalz während des Brennens
noch zusätzlich gehärtet.



Erst der Beginn des 18. Jahrhunderts bringt für Deutschland eine Erneuerung in der Geschichte der Keramik.
Nach der Zeit der wunderschönen rheinischen Steingutwaren der Renaissance entsteht nun dank König August 11 dem Starken und dem Alchimisten Böttger
das noch heute berühmte Porzellanzentrum Meißen.

 



Praxis 
Ein wenig aus der Werkstatt geplaudert:
Zuerst knetet man den Ton, dann wird er geschlagen.
Wenn ich ihn erhalte, ist er schon gemischt und vorbereitet.
Nach dieser ersten Bearbeitung formt sie einen Ballen, der in zwei Teile geschnitten wird.
Sie erklärt weiter: Der Zweck dieser Übung ist einfach, die Luftblasen wegzuschaffen und den Ton homogener zu machen, da es darin härtere und weichere Teile gibt,
was beim Drehen hinderlich wäre.
Die Tonmasse muß nämlich gleichmäßig sein.
Die Masse wird auf die Drehscheibe gelegt, sie wird beschleunigt, die Hände der Töpferin steigen und höhlen die Mitte der Masse aus, die Daumen, die Finger, die Hände treten ins Spiel ein.
Die Masse wird nach oben gezogen, und schon beginnt sie,
Form anzunehmen.

 



Zuerst muß man die Masse zentrieren, dann öffne ich die Kugel, ich beginne mit dem Inneren.
Weitere Handgriffe. Indem man die Seitenwände gleichmäßig formt, nähert man sich immer mehr der endgültigen Form.
Dabei ist klar, daß ich eine Schale oder einen Topf
von Anfang an verschieden aufbaue.
Sobald der Aufbau beendet ist, wird der Hals der Vase verengt.
Die Hände arbeiten seine genaue Form aus,
manchmal mit Hilfe eines Modellierholzes.
Mit einem Schneidedraht wird der Gegenstand von der Scheibe gelöst,

und mit einem Spachtel werden die Tonreste entfernt. 



Jetzt wird das Stück sorgfältig von der Scheibe genommen.
Der rechte Zeigefinger formt nun den Ausguß, der zugleich mit dem linken Daumen und dem Zeigefinger von unten gestützt wird.
Es ist merkwürdig, man erhält nie einen Ausguß, der mit der Querachse des Kruges einen genauen rechten Winkel bildet.
Sie neigen alle entweder nach rechts oder nach links, so daß es fast möglich wäre, den Schöpfer eines Kruges daran zu erkennen.

 



Das Werkzeug sieht vorgeschichtlich aus.
Jetzt kommt die Bearbeitung des Bodens.
Das Abdrehen. Der Fußring wird angefertigt.
Dann wird der Krug wieder umgedreht.
Gegenüber dem Ausguß wird die Ansatzstelle des Henkels mit einem Messer aufgerauht und befeuchtet.
Dann wird ein Henkel gezogen und oben und unten
an dem Gefäß angebracht.
Der Gegenstand wird zum Trocknen zu anderen Neuschöpfungen
auf das Regal gestellt.
Für lange Zeit? Das hängt vom Wetter ab.
Im Sommer geht es rasch.
Im Winter, wenn es kalt und feucht ist, dauert es ziemlich lang. Man muß abwarten, bis der Ton lederhart ist.
Sobald das Gefäß diesen lederharten Zustand erreicht hat, wird es nochmals überarbeitet und vervollständigt, ein Arbeitsgang, auf den allerdings viele eher rustikal eingestellte Töpfer bewußt verzichten.



Beizufügen wäre noch, daß alles, was nicht symmetrisch ist, wie Henkel, Verzierungen, Ausgüsse und sogar Deckel, wegen des Materialschwunds gleichzeitig angefertigt werden muß.
Der Gegenstand ist von der Form her praktisch fertig. jetzt wird die Engobe angebracht, eine Materie, die wir bereits in den geschichtlichen Kapiteln angetroffen haben.
Engoben können bereits vor dem Brennen angebracht werden, sie haften aber nur dann gut, wenn ihr eigener Materialschwund mit dem des Gefäßes übereinstimmt.
Eine Besonderheit des sogenannten Heimatstils besteht übrigens darin, daß man die Tonwaren mit Engoben richtig- gehend bemalt.

 



Die Tonwaren der einzelnen Regionen kann man auf grund ihrer Grundfarben und Muster oft gut unterscheiden.



Die erste Engobe muß in der Konsistenz dem Ton angeglichen sein. Nach dem ersten Brand werden Engoben auf- getragen,
die magerer und einer Glasur ähnlich sind.



Apropos Glasuren: Durch die Anwendung von Magerungsmitteln können starke Veränderungen im Aussehen und in den Eigenschaften der Tonmasse erreicht werden.
Einige Glasuren schmelzen leicht, andere weniger, wieder andere wirken chemisch auf das im Ton enthaltene Silizium ein.
Sie haben einen Einfluß auf die Molekularstruktur des Tons, auf seine Durchlässigkeit und sogar auf den Brandschwund.
Beim Herstellen einer Glasur müssen deshalb die Zutaten
genau berechnet sein.
Eine Sache der Erfahrung.
Leider bringt uns ein Blick in das Rezeptbüchlein wenig ein.
Alles wird gemischt, Wasser beigegeben...
Die wichtigsten Magerungsmittel sind: Quarz, Sand, Feldspat, Pegmatit, Zement, Kohlenasche, Kreide, Asbest, Kalziumsulfat, Schwererdesulfat, Kalziumphosphat, Glasfritte, Sägemehl...
Dies ist aber nur eine grobe Aufzählung, denn schon beim Quarz könnten wir noch weiter unterscheiden in Bergkristall, Amethystquarz, Hyazinth, indischen Topas, Silex, Achat, Jaspis, Opal usw. Also, man nimmt eine gute Glasur und rügt ihr Asche zu... Zuerst nehme ich eine reine Asche, der ich dann verschiedene andere Sachen beimische.
Diese Asche aus Weinrebe, Weinranke, Nessel, Schilf, Ahornblätter, Klee, Farnkraut, Löwenzahn, Gräser, Rhabarber und auch Hölzer: Haselstrauch, Birke und andere.
Vorstellung ist nicht immer Realität...

 



Es ist alles brauchbar! Man muß es erst gut trocknen, dann auf einem sauberen, rostfreien, feuerfesten Boden verbrennen. Die Asche wird gesiebt und in einem Glas aufbewahrt. Dank ihrer Holzfeuer haben die früheren Töpfer entdeckt, daß sich die Asche mit dem Silizium vermischt. Heute noch tauchen die Japaner Zweige in die Asche und schlagen damit die Krüge.



Die Töpferei ist eine Sache, und das Suchen nach neuen Formen eine andere

 


 

Töpferlied


wie ist es doch ein biblisch bild,
die drehscheibe und der ton.
die töpferhände geistgewillt,
zu gestalten eine form
aus einem klumpen erde.

die gefässe so verschieden,
zu vielen dingen nützlich sind.
zum talerschwingen üben,
ein kleines birgt
das essen für ein kind.
ein anderes für den frühlingsstrauss.

und sollte eine form nicht so
gelingen,
wie es der töpfer will,
so folgt da nicht ein langes ringen
im klumpen muss es warten, still
bis zu nächsten mal.

wir menschen sind
in unserm sein
diesen töpfen gleich.
der eine lässt sich formen frei
zu einem krug,
gross und reich,
und der andere meint;
lieber warten.

doch aus erfahrung
weiss ich genau:
jeder kloss lässt sich formen
und sei er noch so schlau,
verlässt die ihm gesetzten normen,
einmal wird er als gefäss doch brauchbar sein...

Andreas











 

 

Andreas Kleindienst

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